Wenig Oper im Odeon: Beethoven trifft Rossini

September 21, 2009 by JanRenz · Leave a Comment 

DIE NEUE SAISON BEGINNT INTERESSANT

Sindelfingen – Konzerte, die mit Rossini beginnen, enden selten mit Beethoven, zu unterschiedlich sind die Profile beider Komponisten, Rossini war ein Genießer, Beethoven ein strenger Geist, der Italiener schrieb Dutzende Opern, der Bonner nur eine einzige. Klaviersonaten und Sinfonien waren ihm wichtiger. Das erste Konzert der diesjährigen Reihe „Musik in Sindelfingen“ begann mit Rossini und endete mit Beethoven, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Meister waren leicht zu erkennen: Melodiker sind beide, Beethoven ist aber außerdem ein Denker, der seine Werke komplex durchstrukturiert. Die Musiker (darunter Solisten des Kammerorchesters Sindelfingen) boten im Odeon der SMTT Rossinis Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ klanglich üppig und mit beherzten Crescendowellen. Die Bearbeitung von Andreas Tarkmann forderte die Solisten. Links auf der Bühne saßen die drei Streicher, rechts Klarinette, Fagott und Horn, zwischen beiden Gruppen der Kontrabass. Das Vergnügen der Musiker an Rossinis pfiffiger Ouvertüre teilte sich dem großen Publikum mit. Beethoven schätzte die ganze Oper sehr. Ihrem Schöpfer rief er zu: „Vor allem machen Sie noch viele Barbiere!“
Mozarts „Oboenquartett“ erklang in der Version für Fagott und Streichtrio. , der Chefdirigent des Sindelfinger Kammerorchesters, war am Fagott ein kontrastreicher Gestalter. Nach Rossinis Farbensprühen klang das Mozart-Quartett homogen, der Mittelsatz mit einem Schimmer Geheimnis, das Finale mit verhaltener Euphorie. Deutlich überschwänglicher geriet die Wiedergabe von Beethovens . Zum ersten Mal aufgeführt wurde es in einem wegweisenden Konzert Anfang April 1800 im Wiener Hofburgtheater, zusammen mit der eigenwilligen ersten Sinfonie. Damit setzte Beethoven ein Zeichen: Sein Septett mag in der Serenadentradition stehen, ist aber kein Leichtgewicht, sondern ein Wurf von sinfonischen Dimensionen. Das war im Odeon nicht zu überhören. Dazu kam, ab dem ersten Akkord, einiger Wohlklang. In diesem Werk für sieben Instrumente darf keine einzige Stimme fehlen, kein Detail ist bloßes Ornament, Beethoven sagt kein Wort zu viel. Und auch die Interpreten verloren sich nicht in Redseligkeit. Sie ergänzten einander feinsinnig. Die allererste Kantilene des Konzerts formte der Klarinettist , man konnte ins Schwärmen geraten. Er musizierte auch sonst auf beredte Weise. Die rasante Kadenz des Beethoven-Finales bewältigte der Geiger Matthias Wächter mit klarem, festem Ton.
An diesem Abend waren nicht alle Phrasen gelungen, im Menuett und im Variationensatz von opus 20 konnten führende Stimmen ins leichte Schwimmen geraten, insgesamt aber wurde lustvoll konzertiert, außerdem wurden immer wieder harmonische Finessen beleuchtet, auch im aufgeräumten Finale. Manchmal fühlte man sich in eine Brahms-Sinfonie oder eine Wagner-Szene versetzt! Für diesen Beethoven ist jedes Rossini-Werk eine Ouvertüre: Denn Beethoven findet, ganz wie Rossini, reizvolle Themen, aber er macht noch mehr aus ihnen.
JAN RENZ

Martinskirche: Händel als Publikumsmagnet

August 11, 2009 by JanRenz · Leave a Comment 

400 Besucher hören das

Sindelfingen – Schon der junge Händel war von Musik besessen. Sprechen und Singen lernte er gleichzeitig, dann zog es ihn zum Clavichord. Der Vater war darüber nicht glücklich: Er wollte keinen verkrachten Künstler in seiner Familie haben und sperrte die Instrumente weg. Händel übte heimlich, nachts, wenn alle schliefen. Er wurde ein glänzender Organist und einer der fruchtbarsten Komponisten überhaupt. Diese Anmerkungen stellte die Liturgin Gerlinde Maisch dem 8. Konzert der voran. Read more

Das Kammerorchester Sindelfingen sprüht vor Musizierlust

Januar 28, 2009 by JanRenz · Leave a Comment 

Das Orchester sprühte vor Musizierlust

Sindelfingen – Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn schätzten einander sehr und inspirierten sich gegenseitig. Laut Biograph Niemetschek hat Mozart den 24 Jahre älteren Haydn oft als Lehrer bezeichnet. Eine Freundschaft verband die beiden, sehr eng war sie allerdings nicht. Beim Konzert des Sindelfinger Kammerorchesters begegneten diese Komponisten einander auf eine Weise, dass man an ein Wort von dachte: „Haydn und Mozart, die Schöpfer der neuern Instrumentalmusik, zeigten uns zuerst die Kunst in ihrer vollen Glorie.“ Das heißt für uns Heutige: Man sollte Mozart nicht gegen Haydn ausspielen, schon gar nicht im Haydn-Jahr. Read more

Kammerorchester Sindelfingen: Glänzend auf der Kurzstrecke

Januar 23, 2007 by JanRenz · Leave a Comment 

Ein beschwingtes

Sindelfingen – Walzer und Polkas erträgt man nur am Anfang des Jahres, bei den notorischen Neujahrskonzerten. Sie finden nicht nur in Wien oder Berlin, sondern auch in Holzgerlingen oder, wie jetzt, in Sindelfingen statt. Dass Tänze sich bei den Neujahrskonzerten massieren, ist kein Zufall, das Jahr soll schließlich beschwingt beginnen. Aus Unterhaltungsgründen sind die Programme so bunt, dass man einen roten Faden nicht erwarten darf. Read more