Das Jazz-Forum Aidlingen feiert mit der Big Band 15 Jahre

Oktober 20, 2009 by JanRenz 

Aufbruch und Abenteuer

Aidlingen – Am Ende mancher Jazz-Nacht im Gewölbekeller von Schloss Deufringen werden die Protagonisten gefeiert, diesmal feierte das Jazz-Forum Aidlingen (sich) selbst, und dazu hatte es auch Grund: Der Club existiert seit 15 Jahren, die eigene Big Band seit 10 Jahren. Zusammen ergebe das 25 Jahre, scherzte Georg Schütz vom Jazz- Forum, und das sei doch ein Anlass zu feiern. An verbalen Pointen war kein Mangel, weihevolle Reden wurden nicht gehalten. Georg Schütz fasste sich kurz: „Wir haben in der Region Maßstäbe gesetzt“, sagte er und verwies stellvertretend auf die Kinderkonzerte. Hier spielt man tatsächlich eine Vorreiterrolle.
Beim Jubiläumskonzert wurde die erste CD der JFA- Band präsentiert: Das Booklet ist ganz in Gelb gehalten, der Farbe des Jazz- Forums, auf dem Cover sieht man eine massige rote Lokomotive, darüber steht in dicken Lettern: „Super Chief“. Das Stück ist die Erkennungsmelodie der Band und hat nun der Debüt-CD den Namen gegeben. In den 50er Jahren war der „Super Chief“ ein berühmter Langstreckenzug. Als solcher hat er für die Big Band Symbolwert, er steht für Aufbruch und Abenteuer, für Tradition und Tempo. Mit dieser Musik begann auch das Jubiläumskonzert, vor etwa 180 Besuchern, im D-Zug-Tempo. Kess wie selten spielte die Band auf, gleich taten sich Solisten hervor: Tenorsaxophon, Trompete, Klavier und Kontrabass. Das Orchester besitzt einige Strahlkraft. Es stellte an diesem Abend nicht nur die CD, sondern auch die eigenen Möglichkeiten vor.
Eng wurde es auf der kleinen Bühne des Gewölbekellers, die Aufstellung der Band orientierte sich am Count-Basie-Orchester: Die Tenorsaxophone waren links und rechts außen postiert.
Den Leader der Band, Joe Viera aus München, hat man selten so witzsprühend erlebt. „Wir sind eine Big Band mit einem eigenen Jazzclub“, verkündete er stolz. Wer sich in Behandlung des schlagzeugspielenden Arztes begebe, könne sich auf „dufte Musik“ im OP verlassen. Dabei streute er auch Ernsthaftes ein: „Es sollte viel mehr Big Bands geben.“ Einer der Gründe: „Wer Musik macht, kann keinen anderen Unsinn machen.“ Recht virtuos pries er die CD seines Ensembles an. Verkaufsstrategisch ungünstig war allein seine Bemerkung zu Defiziten jedes Tonträgers: Die Atmosphäre eines Konzerts könne sie nicht einfangen. Deshalb sollten auch die Besitzer der „Super Chief“-CD weiterhin die Auftritte des Ensembles besuchen! Dieses Konzert, dessen Programm weitgehend mit dem der CD übereinstimmte, lebte von vielen spontanen Soli und dem Einsatz von Joe Viera. Er steht als treibende Kraft der Band vor und hat ihr seinen Stempel aufgedrückt. Er spornt seine Mannen an, die nicht Untergebene sind, sondern Partner. Natürlich wurde an diesem Festabend ausgiebig geschmettert, wichtiger aber war der Charme des Musizierens, bei „Body and Soul“ zelebrierte man die berühmte aufsteigende Melodie, verspielt servierte man den „C-Jam Blues Mambo“ (von Duke Ellington). Bei „Tiger of San Pedro“ wurde das Klaviermotto vom Orchester übernommen, nach einem aufwändigen Schlagzeugsolo tauchte es wieder auf, der Sound wirkte geschmeidig und besaß trotzdem eine stählerne Note. Bei „Movin´ on“ tupfte der Pianist knappe Figuren hin, Karlheinz Heim setzte bei „You´ve changed“ einen vollen, rauchigen Ton ein, ebenso intensiv musizierte Frieder Welsch (Altsaxophon). Es gab auch etwas zu sehen: Bei längeren Soli wurden die Köpfe der Trompeter röter und röter. So wurde es anschaulich: Sie verausgabten sich.
Nach der Pause, in der dutzende CDs verkauft wurden, behielt die Band das hohe Tempo bei. Bei „Misty“ sangen die Saxophone, das Ensemble klang noch geschlossener. Drei Blues-Stücke wurden nebeneinander gestellt, um die Unterschiedlichkeiten dieses Stils zu verdeutlichen. Gerade das Jazz-Forum Aidlingen, so der Anspruch, möchte die Vielfalt des Jazz´ vorführen, lebendig machen. Der Big Band gelang das beim Jubiläumskonzert. Der Stimmung im Gewölbekeller nach zu urteilen, müsste die CD eigentlich ein Erfolg werden.

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